Stadt und Land

Vielfalt

7 August 2017

Warum liegt mir Vielfalt besonders am Herzen?

Wenn Menschen „Teilhabe“ hören, denken viele zunächst an die Inklusion von Menschen mit Behinderung. Auch wenn mir als Bundesvorsitzende der Lebenshilfe die Belange von Menschen mit Behinderung wichtig sind, geht Teilhabe weit darüber hinaus. Teilhabe betrifft uns alle. Niemand darf ausgeschlossen werden, alle sollen überall mitmachen können.

Egal, wo jemand herkommt, an wen oder was jemand glaubt, wen jemand liebt, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht, ob alt oder jung, ob Mann oder Frau – alle sollen am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Das ist die wichtigste Voraussetzung, damit alle Menschen ihre Potenziale voll entfalten können.

Was habe ich mit der SPD bereits erreicht?

Als ich 1990 erstmals in den Bundestag gewählt wurde, lag die Erwerbstätigenquote von Frauen bei etwa 57 Prozent. In Deutschland galt noch das Staatsbürgerschaftsrecht von 1913 und § 175 des deutschen Strafgesetzbuches, das sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte.

All diese Ungerechtigkeiten hat die SPD in den vergangenen 27 Jahren Schritt für Schritt beseitigt.

Wir haben wichtige politische Maßnahmen wie die Reform und Flexibilisierung der Elternzeit und das Entgeltgleichheitsgesetz auf den Weg gebracht, um Frauen auch im Beruf gleichzustellen.

Wir haben das Staatsbürgerschaftsrecht angepasst. Seit 1999 können auch Kinder mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren sind, neben der Staatsbürgerschaft ihrer Eltern automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Und wir haben die Optionspflicht abgeschafft.

Wir haben alle Urteile auf Grundlage des § 175 aufgehoben und die Entschädigung aller noch lebenden Verurteilten durchgesetzt. Und wir haben dafür gesorgt, dass endlich auch die letzte Hürde genommen wurde, um gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland vollständig gleichzustellen. Wir haben die Ehe für alle erkämpft.

Was habe ich noch vor?

Jede einzelne dieser Entwicklungen erschien vor 27 Jahren noch unvorstellbar. Und jede einzelne war ein wichtiger Schritt zu einer offenen und vielfältigen Gesellschaft.

Möglich waren diese Schritte nur, weil wir hartnäckig und unbequem waren und uns immer wieder auch gegen Widerstände und Unverständnis durchgesetzt haben. Wir haben unermüdlich für den Wandel gekämpft, damit alle Menschen in Deutschland teilhaben können an den vielen Möglichkeiten und dem großen Potenzial, das uns unser Land bietet.

Dafür muss aber auch ein Umdenken stattfinden. Es gibt nicht mehr DEN Mitbürger oder DIE Mitbürgerin. Diese hat es nie gegeben. Unser Land besteht aus vielen unterschiedlichen Menschen, die alle etwas zu unserer Gesellschaft beitragen. Ich will dafür werben, dass noch mehr Menschen umdenken und dieses Mit- und Füreinander fördern und unterstützen

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