Rede Ulla Schmidt, MdB im…

Teilhabe statt Ausgrenzung: Parlamentarischer Abend der Lebenshilfe in Berlin

16 März 2018

Seit nunmehr 60 Jahren setzt sich die Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung ein – ein beeindruckender Geburtstag, wenn man bedenkt, zu welcher Zeit die Mütter und Väter die Lebenshilfe ins Leben gerufen haben. Ich bin froh, dass es damals Menschenmit unermüdlichem Pioniergeist gab, die es mit den Erfahrungen aus der NS-Zeit nicht hinnehmen wollten, dass Menschen mit Behinderung gesellschaftliche Ausgrenzung erfahren. Daher ist die Lebenshilfe ein wichtiges Stück Zeitgeschichte im 20 wie 21. Jahrhundert.

Es ist weiterhin unser Ziel, dass die Menschen mit Behinderung selbst über ihr Leben entscheiden können.

Um Barrieren in den Köpfen auf beiden Seiten abzubauen, helfen uns Begegnungen wie der Parlamentarische Abend der Lebenshilfe. Das tut vor allem auch Menschen gut, die sonst weniger mit Menschen mit Behinderung in Berührung kommen. Ich jedenfalls habe unendlich viel von ihnen gelernt.

Teilhabe ist immer als Querschnitt aller Politikfelder zu verstehen. Ich bin froh, dass wir in der vergangenen Wahlperiode das Bundesteilhabegesetz verabschiedet haben. Jetzt stehen zwei weitere wichtige Ziele an: Den Anspruch auf Pflege für jeden umzusetzen und das inklusive Wahlrecht für alle einzuführen. Mehr als 80.000 Menschen mit Behinderung waren bei der Bundestagswahl im September 2017 erneut nicht wahlberechtigt. Für mich ist das ein Skandal. Umso mehr freue ich mich, dass die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag festgelegt haben, die Wahlrechtsausschlüsse abzuschaffen.

Nicht fehlen auf dem Parlamentarischen Abend durfte die Verleihung des Medienpreises BOBBY an Natalie Dedreux. Sie hat mit ihrer Nachfrage an die Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Spätabtreibung in der ARD Wahlarena dazu beigetragen, dass Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit viel mehr wahrgenommen werden. In ihrer Ansprache sagt sie einen entscheidenden Satz: „Wir wollen leben, denn wir lieben unser Leben.“ Dafür ist Natalie Dedreux nicht genug zu danken. Den Medienpreis der Bundesvereinigung der Lebenshilfe hat sie mehr als verdient.

Zwischenruf! März 2018 erschienen