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Lebenshilfe: Erinnerung an ermordete behinderte und kranke Menschen wach halten

3 September 2014

Das Mahnmal wurde an der Tiergartenstraße gleich hinter der Philharmonie geschaffen. Dort, wo zu der Zeit der Nationalsozialisten die Planungszentrale für die T4-Aktion (nach Tiergartenstraße 4) zur Vernichtung sogenannten „lebensunwerten Lebens“ stand und wo bisher lediglich eine Gedenkplatte im Boden und eine Informationstafel an die Gräueltaten erinnerten. „Nie wieder dürfen Menschen als ‚lebensunwert‘ aussortiert und getötet werden. Darauf zu achten, ist eine der vorrangigsten Aufgaben der Lebenshilfe“, betont Ulla Schmidt.

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe und auch ihr Berliner Landesverband waren von Anfang an am Runden Tisch T4 beteiligt. Jahrelang kämpften dort Hinterbliebene der Opfer, Vertreter verschiedener Behindertenverbände sowie die Stiftungen „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ und „Topographie des Terrors“ für den Bau eines neuen Gedenk- und Informationsortes. Die Lebenshilfe-Vorsitzende: „Wir haben unser Ziel erreicht, auch wenn wir nicht mit allem 100-prozentig zufrieden sind.“ So hatte sich der Runde Tisch den Informationsteil ausführlicher und als überdachten Ausstellungraum gewünscht, was jedoch aus finanziellen Gründen abgelehnt wurde.

Ulla Schmidt freut sich darüber, dass die Denkmal-Planer in einem wichtigen Punkt der Lebenshilfe gefolgt sind und die Gedenkstätte den Besuchern Erklärungen in einfacher Sprache bietet: „Aus meinen vielen Begegnungen mit Menschen mit geistiger Behinderung weiß ich, wie sehr sie sich für dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte interessieren. Daher dürfen wir behinderte Menschen auf keinen Fall aus einem falsch verstandenen Beschützerinstinkt heraus von Informationen zu den ‚Euthanasie‘-Verbrechen fern halten. Wir müssen diese Informationen aber leicht verständlich und sensibel aufbereiten.“ Die Lebenshilfe stellt sich dieser Aufgabe, im März 2014 ist ihr Magazin in leichter Sprache mit dem Titel „Die Morde in der Nazi-Zeit“ erschienen. Es steht auch im Internet zur Verfügung unter www.lebenshilfe.de

Barriere-Freiheit war ganz wichtig für die Planer: Auf der langen Tafel am Informations-Ort stehen auch Texte in Leichter Sprache. Sie sind in gelber Schrift geschrieben. Hier gibt sogar ein Ausstellungs-Buch in Leichter Sprache. Die Tafel hat Tisch-Höhe und kann von Rollstuhl-Fahrern gut gelesen werden. Für gehörlose Menschen gibt es auf Bild-Schirmen Filme in Gebärden-Sprache. Für blinde und seh-behinderte Menschen Informationen in Ton und fühlbarer Blinden-Schrift.

Eröffnet wurde der Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde mit einem bewegenden Festakt im Foyer der Berliner Philharmonie. Als Angehörige eines Opfers sprach Sigrid Falkenstein (am Rednerpult) über ihre ermordete Tante Anna Lehnkering. Sigrid Falkenstein rief 2007 den Runden Tisch ins Leben, der sich für ein würdiges Gedenken an der Berliner Tiergartenstraße eingesetzt und großen Anteil an der Verwirklichung des neuen Mahnmals hat.

Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, sieht darin die Mahnung, das „Recht eines jeden Menschen auf Leben zu schützen“. Jedes Leben sei es wert, geliebt und gelebt zu werden. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, sagte in seinem Grußwort: „Auch unsere Gesellschaft ist anfällig für Ausgrenzung. Es ist noch ein langer Weg zur Inklusion. Daran sollten wir alle arbeiten.“

Link zum Beitrag im RBB-Fernsehen

Quelle: Bundesvereinigung Lebenshilfe

Bildunterschrift: Für die Lebenshilfe legten nach der Eröffnung des Gedenk- und Informationsortes Bundesgeschäftsführerin Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust (rechts) und Ingrid von Randow, 2. Vorsitzende der Lebenshilfe Berlin, einen Kranz nieder.

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