Ulla Schmidt im Deutschen Bundestag…

Ulla Schmidt zum Text der Evangelischen Kirche Deutschlands und der Deutschen Bischofskonferenz „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“

7 April 2014

Im gemeinsamen Text der Evangelischen Kirche Deutschlands und der Deutschen Bischofskonferenz „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“ wird bereits in der Einleitung die Frage aufgeworfen: „Wer ist mein Nächster?“. Bei der Beantwortung dieser Frage werden Menschen mit Behinderung jedoch überhaupt nicht berücksichtigt. Selbst im Kapitel Inklusion und Partizipation finden sie keine Erwähnung.


Dies hat mich dazu veranlasst, einen Brief an Seine Eminenz den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, den Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands, Dr. Nikolaus Schneider sowie Seine Exzellenz dem Hochwürdigsten Dr. Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg, aufzusetzen:


„Mit großem Interesse habe ich den gemeinsamen Text der Evangelischen Kirche Deutschlands und der Deutschen Bischofskonferenz „Gemeinsam Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“ zur Hand genommen – für mich ein wichtiges Thema in einem Sozialstaat, der die Bedeutung der Zivilgesellschaft immer stärker in den Vordergrund stellt.


Allerdings hat mich Ihr Papier erstaunt und auch verärgert zurückgelassen: Sprechen Sie in der Einleitung noch die Frage aus: „Wer ist mein Nächster?“ und deuten auf ein umfassendes Verständnis der Menschen hin, fehlt die Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung völlig.


Sie werden im Kapitel Inklusion und Partizipation nicht erwähnt, anders als Männer und Frauen, Mütter und Väter, Menschen mit Migrationshintergrund, schlechten sozialen Startbedingungen und Menschen, die in Armut leben. Damit wird eine Gruppe völlig außer Acht gelassen, die besonders von Exklusion aus gesellschaftlichen Prozessen bedroht und an vielen Stellen an der gesellschaftlichen Teilhabe gehindert ist. Auch bei der Förderung durch Bildung werden Menschen mit Behinderung nicht erwähnt, obwohl gerade die Frage des gemeinsamen Aufwachsens und Lernens von Kindern mit und ohne Behinderung für eine inklusive Gesellschaft, die allen Menschen die Chance auf Teilhabe gibt, wesentlich ist.

In Ihrem gesamten Dokument findet sich nicht einmal das Wort Behinderung oder behindert – wie konnte das passieren?


Für mich, nicht zuletzte in meiner Funktion als Bundesvorsitzende der Lebenshilfe ist das damit verbundene Signal, dass Menschen mit Behinderung mit dem Blick auf eine gerechte Gesellschaft von den beiden großen Kirchen in Deutschland nicht wahrgenommen werden, nicht erklärbar.


Mit freundlichen Grüßen
Ihre Ulla Schmidt

 

Hier das Papier zum Nachlesen: http://www.ekd.de/download/gemeinsame_verantwortung_gt_22.pdf

© Foto: Stella von Saldern

Ulla Schmidt bei der Parlamentarischen…