Rede Ulla Schmidt im Plenum…

Ein Mädchen aus dem Leben – Super Mittwoch, 06. März 2013: Eine Tasse Kaffee mit…

27 März 2013

Die Einladung kommt nicht ungelegen: „Ich bin eine Kaffeetante“, bekennt sie. Heute als Latte, „mit Strohhalm, das ist wichtig. Das richtige Verhältnis von Milch und Kaffe bekomme ich nur mit Strohhalm hin. Zuviel Milch im Kaffee mag ich nämlich eigentlich und in einem richtigen Kaffee am liebsten Büchsenmilch.“ Dass der Kaffeeautomat quasi ihre zweitbeste Freundin ist, versteht sich da fast von selbst. Die beste ist ihre Schwester, mit der sie zusammen in Richterich wohnt, wenn sie denn mal da ist. Aber nicht nur, weil die gut kochen kann. In der Küche ist Frau Schmidt nämlich nicht ganz so Zuhause. Den Kochlöffel schwingt sie höchstens mal, dafür um so lieber, für die Enkel: „Was die halt so mögen: Nudeln – natürlich mit Soße, Hühnchen mit Reis, Schnitzel … Hühnersuppe und Rindfleischsuppe kann ich auch ganz gut.“ Als Vollzeit-Politiker kommt man irgendwie dann auch nicht wirklich dazu, es sei denn man heißt Altmaier.

Uns Ulla! So sagt es der Öcher gerne. Das ist wohl als Verneigung zu verstehen vor dem Einsatz auch für ihre Stadt. Uns Ulla ist ein bekanntes Gesicht in Oche: Hier ein Hallo, da ein Gruß oder ein Nicken und wie durch Zufall kommt auch noch der ehemalige Afghanische Außenminister Dr. Rangan Dadfar Spanta auf ein paar Sätze am Tisch vorbei.

Medial mag es stiller geworden sein um die ehemalige Bundesgesundheitsministerin. Trotzdem ist sie nach wie vor viel unterwegs. Die Gesundheitspolitik „verfolgt“ sie immer noch. Sie ist u.a. Kuratoriumsvorsitzende der Hospizstiftung, hält Vorträge, ist Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, sitzt im Nato-Parlament, aber auch zum Beispiel in der Goethe-Gesellschaft.

Gestern noch war sie in Berlin, wo sie sich, wie zu Bonner Zeiten, eine Wohnung genommen hat. „Ich brauche das einfach, nach Hause zu kommen und im eigenen Bett schlafen.“ Am liebsten ist ihr dann natürlich ihr Heim in Richterich. Da freut sich dann neben den Enkeln auch Labrador Lui, der Hund ihrer Schwester, auf Spaziergänge.

Uns Ullala! „Ja“, sagt sie, „darüber habe ich selbst gelacht: ‚Und bleiben Sie gesund, weil anders wär schlecht‘ – Katrin Schmick hat mich für diese Radio-Satire wirklich gut nachgemacht, nie beleidigend, nie unter der Gürtellinie. Manche Leute haben das sogar ernst genommen. Da gab es wohl auch mal was über Ullala als Glühweintesterin auf dem Weihnachtsmarkt. Da haben mich später Leute angesprochen, wie ich denn nun den Aachener Glühwein so schlecht hätte machen können. Das hat schon gedauert, bis die verstanden hatten, dass ich das gar nicht war.“ Einmal, bei einem Live-Auftritt im Jakobshof haben sich die beiden sogar getroffen. „Ich kam mit neuer Frisur. ‚Frau Schmidt, das hätten Sie mir aber vorher sagen können, wie seh‘ ich denn jetzt aus?‘, hat sie mich begrüßt.

Denkst Du an Ulla Schmidt, denkst Du an Gesundheitsreform! Der Zahnarzt hat dann aber nicht extra gebohrt. „Im Gegenteil“, so Schmidt, „viele Ärzte, Vertreter von Krankenkassen und Leitungen von Krankenhäusern haben mir anschließend bestätigt: Das war notwendig! Wir mussten uns neu aufstellen.“ Sie selbst, und dabei klopft sie auf den Holztisch, habe eher eine gute Konstitution. Das ist gut so, denn anders wäre ja bekanntlich schlecht…

Und weil die Konstitution stimmt, kandidiert sie auch wieder bei der kommenden Bundestagswahl. „Man kann nicht einerseits von den Menschen fordern, dass sie bis 68 arbeiten, und dann selbst Frührentner spielen“, findet sie.

Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett…

Auf Politik verzichten? „Mir würde es fehlen, nicht mehr aktiv sein zu können und Menschen zu begegnen.“ Worauf würde sie sonst noch schwer verzichten können? Ulla Schmidt: „Aufs Lesen!“ Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett – Krimis stehen ganz oben auf der Liste, ganz besonders schwedische aber auch die aus der Eifel von Jacques Berndorf. In Aachen schätzt man Ulla Schmidt auch, weil sie ein Mädchen aus dem Leben ist , wie man so schön sagt. „Lieber ein Mädchen aus dem Leben als abgehoben. Als Politiker muss man nicht aus der Retorte geboren sein. Ich kenne Höhen und Tiefen, ich weiß wie es ist arm zu sein, ich kenne aber auch die andere Seite.“

Nachgefragt

Nehmen wir mal an, Sie wären Oberbürgermeisterin von Aachen. Was wären Ihre Visionen für die Stadt?

U. Schmidt: Erhalt der Industrie, siehe Bombardier; weiterer Ausbau der Kinderbetreuung gerade in einer Hochschulstadt; bezahlbarer privater Wohnraum und weitere Investitionen für eine anständige Infrastruktur für die ältere Generation – alles das, was unter das Stichwort „Soziale Stadt“ fällt.

Stünden Sie in einer rot-grünen Regierung für ein Ministeramt zur Verfügung?

U. Schmidt: Ich will erst die politische Wende! Ich will wieder Rot-Grün, und die Pfosten wieder so setzen, dass wieder eine sozial verantwortliche und zukunftsorientierte Politik an der Tagesordnung ist. Über alles andere mache ich mir zurzeit keine Gedanken.

Das war jetzt keine wirkliche Absage!

U. Schmidt: Wissen Sie – es gibt so Dinge, da sollte man nie „nie“ sagen. Es kann passieren, dass sie einen einholen – aber ich finde, wir haben so viele engagierte gute Leute – ich sage immer: Hoffentlich sind es Sozialdemokraten!

Quelle: Super Mittwoch 06.März 2013, Wolfgang Wynands

 Foto: W. Wynands

Aktueller Zwischenruf! von Ulla Schmidt